
Der große “Alone in the Dark“-Skandal schlägt ja auch über die Videospielbranche hinaus hohe Wellen. Nachdem erst der deutsche Inquirer darüber berichtet hat, zog, neben anderen Publikationen, auch noch der Spiegel mit einem Hintergrundbericht nach.
Die Fachpresse hat wirklich eine sehr ambivalente Beziehung zu den Produktherstellern. Da werden nun mal die Produkte von den Leuten besprochen, die gleichzeitig die besten Anzeigenkunden sind. Und sowas führt, wie es der Spiegel so banal wie treffend formuliert “schon mal zu Verstimmungen”. Im Fall von Atari gegen 4players zu mehr als das.
4players hat deren Spiel Alone in the Dark getestet und mit einer Wertung von 68% versehen. Da Alone in the Dark ein verdammt wichtiger Titel für Atari ist, ist so eine Wertung natürlich vernichtend. Fazit: Atari droht mit Klage weil der Test von 4players angeblich auf einer Vorabversion des Spiels beruhte, die nicht die finale Qualität widergab und deswegen nicht hätte getestet werden dürfen.
Werbeschaltungen auf der Seite von 4players wurden kommentarlos storniert, während sie auf der Seite der Gamestar weiterliefen - die haben das Spiel immerhin auch mit 82% bewertet. Was widerum dazu führte, dass die Gamestar-Leser an ihrem Stammmagazin zu zweifeln begannen und die Diskussion nur noch weiter antrieben.
Den ganzen Konflikt noch weiter auszubreiten wäre jetzt zu viel des Guten. Und ich will der Gamestar auch nichts vorwerfen. Vielleicht empfand der zuständige Tester das Spiel ja tatsächlich als gut bis sehr gut und kann seine Wertung im Artikel begründen. Wer interessiert ist, wird ohnehin Bescheid wissen oder spätestens jetzt die oben verlinkten Berichte, die Testberichte von 4players und Gamestar, sowie die Gegenüberstellung von 4players nachlesen und sich ein eigenes Bild schaffen.
Worauf ich aber hinaus will ist, dass genau die Diskussion (nicht nur) unter den Gamestar-Lesern ein großes Dilemma der Branche aufzeigt. Dass Branche und Presse voneinander abhängig sind, ist weder ein Geheimnis, noch ist es schlimm - nur daraus resultierende Absprachen sind ein Unding. Glücklicherweise, so scheint mir zumindest, ist dies ein Phänomen, das sich inzwischen zumindest in den Printmedien drastisch zurückzieht. Allerdings mit einer Verlagerung hin zu Online-Medien. Erst letztes Jahr gab es einen ähnlichen Fall wegen einer negativen Review von Lair seitens IGN.
Fraglich ist, wie stellvertretend zwei “große Fälle” in einer Branche sind, in der täglich neue Spieletests online gehen. So gesehen nicht viel (aber trotzdem genau zwei Mal zu viel). Bzw. mit was für einer “Schwarzziffer” hat man es zu tun? Wie oft gehen Spieletester auf solche Drohungen ein oder sprechen sich vorab mit dem Hersteller ab? Wie gesagt liegt es mir fern Vorwürfe zu machen oder Mutmasungen zu äussern. Aber seine Gedanken macht man sich schon.
Ich bin nur froh, dass ich nie in einer solchen Situation saß und bis dato auch keine Erfahrungen mit dritten in diese Richtung machen musste. Das spricht sicher auch irgendwo FÜR die Branche.
Summa summarum hat das Tohuwabohu Atari wohl mehr geschadet, als es die negativen Reviews getan hätten. Und ich hoffe doch, dass genau dies ein Zeichen für die Branche darstellt.
PS: 4players beharrte auf dem eigenen Test, nahm diesen nicht von der Website und verfasste sogar eine Gegenüberstellung (mit zum Teil sehr harten Worten). Der Streit ist inzwischen aber beigelegt:
24.06.08 Streit mit 4Players beigelegt
Der Streit zwischen 4Players.de und Atari wurde heute beigelegt. In einem persönlichen Gespräch zwischen beiden Parteien hat Atari Deutschland die Anschuldigungen gegenüber 4Players.de in allen Punkten zurückgenommen. Außerdem werden die rechtlichen Maßnahmen gegen 4Players.de eingestellt. Damit wurden die Differenzen im Fall Alone in the Dark in beiderseitigem Einvernehmen überwunden. Atari und 4Players.de freuen sich auf die zukünftige Zusammenarbeit.
Via 4players